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Kinder- & Jugendanwaltschaft

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Macht. Gewalt. Schule.

Auftakt zur Tour bildete die KiJA-Fachtagung zu Mobbing- und Gewaltprävention am 19.10.2009, in den Redoutensälen, Promenade 39, Linz.

Es gibt wirksame Mittel gegen Mobbing und Gewalt an Schulen. Diese Nachricht stand im Mittelpunkt der von der Kinder- und Jugendanwaltschaft (KiJA) am 19.10.2009 in Linz veranstalteten Fachtagung. Seit rund drei Jahren hat die KiJA eine eigne Stelle, die ganz auf  Mobbing- und Gewaltprävention an Schulen spezialisiert ist.

Die Premiere des Theaterstücks "Selber Schuld", das Referat "Amok und zielgerichtete Gewalt -Warnsignale und Prävention" des Gewaltforschers Dr. Jens Hoffmann sowie ein ExpertInnengespräch mit Publikumsbeteiligung beleuchteten die Thematik aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Bei der Fachtagung hat sich auch erstmals die "Plattform Gewaltprävention" einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Die Plattform dient der Vernetzung und der Kooperation der wichtigsten Angebote gewaltpräventiver Arbeit des Landes Oberösterreich: der Kinder- und Jugendanwaltschaft, der Polizei, des Institutes Suchtprävention und der Schulpsychologie.

 

Was tun bei Mobbing und Gewalt im Klassenzimmer?

Rund 300 TeilnehmerInnen, darunter viele LehrerInnen und VertreterInnen aus dem Schul-, Jugend und Sozialbereich sowie der Exekutive und der Justiz, haben an der Fachtagung teilgenommen. Annähernd nochmals so vielen Interessierten musste im Vorfeld aus Platzmangel abgesagt werden.

Die Erwachsenenpremiere des im Auftrag und unter fachlicher Begleitung der KiJA entstandenen Theaterstücks "Selber Schuld" führte auf eindringliche Art und Weise direkt zum Thema: Mobbing und Gewalt an Schulen.

Im anschließenden Round-Table-Gespräch "Verantwortung. Institution. Intervention." bekannten sich alle TeilnehmerInnen zur zentralen Bedeutung der Prävention als entscheidenden Ansatz, um Mobbing- und Gewalthandlungen schon im Vorfeld abmildern und verhindern zu können. HRin  Dr.in Gabriele Haring, Leiterin der Jugendwohlfahrt in Oberösterreich, unterstrich in Vertretung von Sozial-Landesrat Josef Ackerl die Notwendigkeit der Vernetzung und der Kooperation aller Personen, die dem sozialen Umfeld der betroffenen Kinder und Jugendlichen angehören. Sie informierte über die Projekte der Jugendwohlfahrt zur Schnittstelle Schule, wie etwa einer gemeinsamen Homepage für PädagogInnen oder auch dem im Aufbau befindlichen "Schulverbindungsdienst". Dr.in Agnes Lang, Leiterin der Schulpsychologie, Oberst Walter Folger, Stv. Leiter des Landeskriminalamtes und Dr. Rainer Schmidbauer, Leiter des Institutes Suchtprävention, stellten die gewaltpräventiven Angebote ihrer Institutionen vor und wiesen auf  das gute Klima der Zusammenarbeit in Oberösterreich hin. Die Kinder- und Jugendanwältin Mag.a Christine Winkler-Kirchberger verdeutlichte anhand aktueller Zahlen, dass auch nach 20 Jahren Gewaltverbot in der Familie der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Gewalt nichts an seiner Bedeutung verloren hat. Sie stellte auch das Programm der Veranstaltungsreihe "KiJA-on-Tour 2009/10" vor: in rund 60 Musical- und Theateraufführungen in ganz Oberösterreich soll für das Thema Mobbing und Gewalt an Schulen sensibilisiert werden.

Nach einer Kaffeepause referierte der deutsche Psychologe und Gewaltforscher Dr. Jens Hoffmann über "Amoklauf  und zielgerichtete Gewalt an Schulen - Warnsignale und Prävention". Dr. Hoffmann betonte, dass es kein einheitliches Persönlichkeitsprofil der vorwiegend männlichen Täter gebe. Sie alle hatten allerdings einen geringen Selbstwert, wurden über lange Zeiträume gedemütigt und gemobbt und haben diese Handlungen schlechter als ihre Schulkameraden verarbeitet. Verzweiflung und Wut vermischen sich mit Größenfantasien. Dr. Hoffmann bezeichnete diese Tätercharakteristik als "narzisstische Kränkbarkeit". Alle Täter hätten im Vorfeld ihre Taten angekündigt und klare Warnsignale gegeben. Und genau hier lägen viele Möglichkeiten, solche Taten zu verhindern. Dr. Hoffmann nannte die Sensibilisierung der Lehrkräfte für die auftretenden Warnsignale, die Unterstützung und Stabilisierung der Betroffenen und klare Grenzziehung als wesentliche Säulen für ein funktionierendes Bedrohungsmanagement.

Dem Vortrag von Dr. Hoffmann schloss sich eine ExpertInnendiskussion mit Publikumsbeteiligung zum Thema "Was tun - bei Mobbing und Gewalt an Schulen?" an. Mag.a Ingrid Rabeder-Fink vom Institut Suchtprävention verwies auf die Bedeutung der Primärprävention. Dabei gehe es um den Aufbau sozialer Kompetenzen und von Alternativen zur gewaltfreien Bearbeitung von Konflikten. Dr.in Agnes Lang betonte, wie wichtig die Entwicklung einer wertschätzenden Schulhauskultur und eines gemeinsam erarbeiteten Verhaltenskodexes sei und dass Konsequenzen nach Mobbing- und Gewalthandlungen zwar wichtig, aber alleine wenig wirksam seien. BI Adolf Wöss von der Kriminalprävention des Landespolizeikommandos stellte unter anderem das Präventionsprojekt "Click und Check" zum Thema Cybermobbing und ein Ausbildungsprojekt für LehrerInnen vor. Dr. Rupert Herzog, Leiter der Mobbing- und Gewaltpräventionsstelle der KiJA , wies darauf hin, dass die "Beschämungskultur" und Defizitorientierung ein wichtiger Risikofaktor für Mobbing- und Gewalthandlungen an unseren Schulen sei. Aus gewaltpräventiver Sicht gehe es darum, die Fähigkeiten und Talente der SchülerInnen ins Zentrum zu rücken und nach Anerkennungs- statt Beschämungsformen zu suchen.    

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